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Kärcher-Vorstand May: „Wir glauben nicht an kurzfristige Sponsoring-Engagements“

Schon seit 1992 arbeitet Christian May für Kärcher. Ungefähr zum Zeitpunkt seines Eintritts begann das Unternehmen in seiner Kommunikation verstärkt auf Sponsoring im Profisport zu setzen. Im Video-Interview mit SPONSORs spricht der heutige stellvertretende Vorstandsvorsitzende, der die Bereiche Vertrieb, Marketing & Services verantwortet, über die Sponsoringstrategie von Kärcher und erklärt, wie die Digitalisierung die Businessmodelle von Kärcher verändert.

Wie viele Unternehmen kennen Sie, deren Namen oder Marken heute zum Synonym einer Produktgattung wurden und sogar mit einem eigenen Verb in den Sprachgebrauch aufgenommen worden sind? Nach „googeln“ oder „skypen“ steht seit 2018 auch „kärchern“ im deutschen Duden, als Synonym für „das Reinigen mit einem Hochdruckreiniger“. Für das Unternehmen Kärcher, das 1935 gegründet wurde und seitdem vor allem Reinigungsgeräte wie eben den bekannten Hochdruckreiniger herstellt, ist das kein Grund, sich auf dem Erreichten auszuruhen: „Wenn wir morgen so erfolgreich sein wollen, wie wir es heute sind, dann wird es nur gehen, indem wir uns stetig weiterentwickeln“, erklärt Christian May, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands und Vorstand Vertrieb, Marketing & Service bei Kärcher, im Video-Gespräch mit SPONSORs.

Ein wichtiger Baustein und Schrittmacher für die Weiterentwicklung bei Kärcher ist schon seit geraumer Zeit die Digitalisierung. „Prozesse laufen inzwischen anders. Die Menschen wollen einen anderen Zugang zu den Produkten oder andere Möglichkeiten der Ansprache“, sagt May: „Wir haben im digitalen Bereich eine direktere Ansprache und beispielsweise die Möglichkeit, den Kunden die Features der Geräte oder Lösungen der Reinigungsproblematiken deutlich besser aufzuzeigen.“

Nächster Umsatzrekord trotz Corona

In der Corona-Krise setzt Kärcher noch einmal verstärkt auf digitale Services und konnte so die Kommunikation mit den Kunden aufrechterhalten: „Wenn wir etwa Gebäude aufgrund der Hygienemaßnahmen nicht besuchen konnten, haben wir stattdessen virtuelle Begehungen gemacht und Empfehlungen für die Reinigungen abgegeben.“ Diese Flexibilität zahlt sich aus: Trotz der Pandemie erwartet das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2020 eine positive Entwicklung. May kündigt an: „Wir gehen davon aus, dass wir das Vorjahresniveau erreichen oder sogar leicht übertreffen werden.“ Ein großer Erfolg, denn bereits 2019 erzielte Kärcher mit 2,58 Milliarden Euro einen neuen Rekordumsatz in der langen Unternehmenshistorie.

Dass Kärcher 2020 an die Erfolge des Vorjahres anknüpft, war nach Aussage von May im ersten Halbjahr 2020 noch nicht abzusehen. Doch die Corona-Krise hatte in gewisser Hinsicht einen positiven Einfluss auf das Geschäftsjahr. „Wir hatten ein Stück weit Glück, weil unsere Produkte in der Pandemie sehr stark gefragt sind“, erklärt das Vorstandsmitglied: „Die Menschen haben sich vermehrt um ihr Haus oder ihre Wohnung gekümmert.“ Von dem erfolgreichen Jahr profitierten auch die Mitarbeiter. Als Anerkennung für das große Engagement in der Krise bezahlte Kärcher an alle rund 7000 Mitarbeiter eine Corona-Dankesprämie in Höhe von kumuliert rund fünf Millionen Euro. „Wären unsere Mitarbeiter nicht gewesen, hätten wir unsere Lieferketten und Produktion nicht aufrechterhalten können. Wenn das Unternehmen profitiert, dann sollen die Mitarbeiter natürlich auch profitieren“, sagt May, der selbst bereits seit Anfang der 1990er für Kärcher tätig ist.

Christian May kam 1992 zum Unternehmen Kärcher und arbeitete zunächst als Assistent des Geschäftsführers für Vertrieb und Marketing, später als Key Account Manager und als Leiter des Direktexports. 2005 wechselte der Diplom-Betriebswirt in die Geschäftsführung und verantwortet seit 2015 als Chief Sales Officer die Bereiche Vertrieb, Marketing & Service. Mit Beginn des Jahres 2021 ist May darüber hinaus neuer stellvertretender Vorsitzender des Vorstands. Fast parallel zu Mays Dienstbeginn begann Kärcher in den 1990er-Jahren, sich stärker auf das Thema Sportsponsoring als Marketing-Maßnahme zu konzentrieren.

eSport-Sponsoring? „Ziemlich sicher, dass dieser Moment kommen wird“

Zwischen 1994 und 1997 war das Unternehmen Trikotsponsor des FC Schalke 04. Zudem setzte es stark auf das Motorsport-Sponsoring, etwa in der DTM oder auch später als Partner von Toyota in der Formel 1. „Sponsoring im Motorsport war für uns früher ein wichtiges Thema, weil der Hochdruckreiniger damals in erster Linie eingesetzt wurde, um Fahrzeuge zu reinigen“, erklärt May. Das habe sich inzwischen geändert: „Heute wissen wir, dass die Hochdruckreiniger vor allem im Garten zum Einsatz kommen und zum Reinigen von Terrassen oder Mauern genutzt werden.“ Sportsponsoring hat bei Kärcher weiter einen festen Platz im Marketing-Mix. Inzwischen hat sich das Unternehmen aber in verschiedenen Sportarten wie Fußball, Volleyball, Rugby oder Handball positioniert, im Motorsport wirbt Kärcher weiter – bei den ADAC GT Masters und in der Formel E.

Selbst mitten in der Krise gab es zuletzt ein klares Bekenntnis zum Sport. Im Oktober 2020 gaben der Handball-Bundesligist TVB Stuttgart und Kärcher bekannt, dass das Haupt- und Trikotsponsoring vorzeitig verlängert werden würde – und das gleich bis Sommer 2030. „Wir wollten ein Zeichen setzen, dass wir auch in diesen schwierigen Zeiten zu unseren Engagements stehen“, begründet May und ergänzt: „Unsere Engagements sind immer langfristig. Wir glauben nicht an kurzfristige Sponsoring-Engagements und daran, dass diese Erfolg bringen.“

Bei aller Begeisterung für das Sponsoring stellt Kärcher seine Aktivitäten doch auch regelmäßig auf den Prüfstand. So hat das Unternehmen im Sommer 2020 etwa sein Engagement beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart deutlich reduziert. Statt Premium-Sponsor auf dritter Ebene und Naming-Right-Partner der Gegentribüne in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena ist Kärcher „nur noch“ Sponsor auf fünfter Ebene. „Wir hatten einfach ein zu großes Gewicht auf dem Thema Fußball. Zukünftig wollen wir uns noch breiter aufstellen“, begründet May die Entscheidung. Auch ein Sponsorship im eSport könnte dabei in den Fokus rücken: „Das ist ein Thema, das wir seit geraumer Zeit diskutieren“, sagt May. Bis jetzt hätte sich „noch keine entsprechende Passung ergeben. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass dieser Moment kommen wird“, stellt der Kärcher-Vorstand ein mögliches Invest in Aussicht.

Foto: Kärcher